«Meine Arbeit ist quasi ein Kreissaal, wo ein Kind geboren wird»: Werner Schoop

Klimastreiks und Mister Recycling

Zürich, 10.04.2019 | aktualisiert 10.04.2019

Grün sein ist in den letzten Monaten dank Klimastreiks wieder zum Trend geworden. Auch Unterstrass Schülerinnen und Schüler «schwänzen für das Klima». Die Verkörperung eines nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen auf dem Campus ist und bleibt «Werni».

In der Cafeteria des Gymnasiums steht neuerdings eine Klimasäule, die zeigt, mit welch einfachen Massnahmen das Klima geschützt werden kann. Zu den zeitlosen Werten von unterstrass.edu gehört Umwelt- und Klimaschutz selbstverständlich dazu. So war unterstrass.edu eine der ersten Schulen im Kanton Zürich, die festlegte, dass für Schulreisen der Zug genommen werden muss.

Der für viele Schüler-/innengenerationen sichtbarste Vertreter für Umweltschutz auf dem Campus ist unser Recycling-Profi Werner Schoop. Deshalb soll «Werni», wie er von allen auf dem Campus genannt wird, an dieser Stelle auch ein kleines Porträt erhalten.

Ein Lebensjob, der Materialien weiterleben lässt

«Werni» ist fasziniert von Licht und Lichtenergie, von Nebel und Sonnenaufgängen. Er liebt den Mond und ganz besonders die Bäume, die sich von Licht ernähren. Wenn Werner Schoop, wie er offiziell heisst, in den Büros der Lehrpersonen die Boxen mit Papier und Karton leert, nimmt er sich häufig auch Zeit für ein kurzes Gespräch. Es sind Impressionen aus der Natur, stimmungsvolle Nebelschwaden, Wolken oder Bäume in voller Blüte, die er teilt. Werni hält diese Phänomene oft mit zauberhaften Fotos fest. Beim Sprechen reiht er in atemberaubender Geschwindigkeit poetische Bilder aneinander und erforscht dabei auch in jedem einzelnen Wort die Bildhaftigkeit. Hört man Werni zu, ist alles irgendwie beseelt, in allen Wesen wohnt ein Zauber inne. Werni sagt, das Nachdenken werde bei ihm durch Fühlen ersetzt. Es sei das Gespür, das einen Menschen ausmache. Dieses Gespür vermittelt ihm, eins zu sein mit der Natur.

Werni könnte ein Dichter aus der Epoche der Romantik sein, auf dem Unterstrass Campus ist sein Job das fachgerechte Recyclen. «Recyclen ist auch mein Lebensjob», sagt Werni über seine Arbeit. Es bedeute erneuern, wieder in den Kreislauf hineinbringen. «Meine Arbeit ist so quasi ein Kreissaal, wo ein Kind geboren wird». Er sehe sich auch selbst in einer Reihe von Ahnen, «die ahnen, wohin es gehen könnte». Er sei es in dieser Kette, der jetzt hier sei.

Alles muss zurückfliessen

Werni sagt von sich, er sei ein Abenteurer, der sich kennenlernen möchte. «Ich bin eine unsterbliche Seele, die auf dieser Welt Erfahrungen macht.» Unsterblich und für eine begrenzte Zeit in einer gewissen Form auf der Welt sind für ihn auch die Materialien, mit denen er arbeitet: Jedes Schnipselchen wird von Werner Schoop genauestens getrennt und richtig zugeordnet, damit alles, aber auch wirklich alles wieder in den Kreislauf zurückfliessen kann. Werni ist der perfekte Botschafter für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen.

Bäume als Lebensretter

Auf die Frage, woher sein Respekt vor der Natur stammt, sagt er, Bäume hätten sein Leben gerettet: «Wenn ich nöd gfolget han, habe ich mich auf Bäume geflüchtet und bin bis spät abends oben geblieben.» Er revanchiert sich nun, indem er Papier neues Leben ermöglicht. Werni erklärt nachdenklich, er habe «mit Baujahr 1948» eine strenge Gesellschaft erlebt. Die heutigen Kinder hätten es sicher einfacher. Er mahnt die Lehrpersonen an, die Schülerinnen und Schüler «heil» zu lassen. Das bedeutet für ihn, sie zu nehmen, wie sie sind. «Viele Menschen haben Angst vor eigenverantwortlichem Denken und Fühlen. Sie glauben, dass sie damit ausgegrenzt werden.» Es sei doch die Aufgabe der Schule, Individualität zu ermöglichen und sie nicht auszumerzen. «Wenn wir Frieden wollen, müssen wir Individuen sein, die für sich selbst Verantwortung übernehmen», ist Werni überzeugt.

Zu den Dichtern der Romantik gehört die Sehnsucht nach der Ferne: Bei Werni ist auch sie gut sichtbar. Sommers und winters trägt er kurze Hawaii-Hemden. Um ein Haar wäre Werni vor ein paar Jahren auf den Inselstaat ausgewandert, hat sich dann aber umbesonnen. Heimisch müsse er in sich selbst werden – egal ob in Zürich oder Hawaii. Was zurückbleibe, sei ein gelegentliches Sehnen nach den Wellen des Meeres und sein Kleiderstil.