Beauvoir statt Sartre: Schülerinnen setzten sich dafür ein, dass mehr Autorinnen im Unterricht gelesen werden.

Feministische Aktionswoche «Bildung ohne Sexismus»

Zürich, 08.03.2019

Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern aus Gymnasien und Kantonsschulen «isch gschlächt». Sie wollen Bildung ohne Sexismus und Geschlechterstereotype und haben ein beeindruckendes Programm für ihre Aktionswoche zusammenstellt.

Am internationalen Tag der Frau haben Schülerinnen aus der Gruppe «Bildung ohne Sexismus» am Gymnasium Unterstrass Spuren hinterlassen. Beim Haupteingang macht ein Schild auf einen Vortrag aufmerksam, «sehr easy, sehr gay». Ein selbstgemaltes Plakat zeigt, worum es den jungen Feministinnen in der Bewegung geht: «Mir isch gschlächt» soll doppeldeutig auf die ungerechten Unterschiede der konstruierten Geschlechter hinweisen.

Den Organisatorinnen und Organisatoren der feministischen Aktionswoche «ist schlecht», wenn sie daran denken, was in puncto Rollenzuschreibungen noch im argen liegt. Sie haben ein Manifest verfasst, in dem sie eine emanzipatorische Bildung verlangen. Die Schulen seien nach wie vor nicht frei von Diskriminierungen und sexistischen Stereotypen.

Die Drittklässlerinnen des «Gymnasium Unterstrass», Sofia Hintermann und Noemi Bosshard, haben in «Bildung ohne Sexismus» mitgearbeitet und eine intensive Aktionswoche hinter sich. Es waren Workshops dabei wie «awareness», in denen erarbeitet worden ist, wie Rollenmodelle und Sexismus wahrgenommen werden können. Aber auch für die Schülerinnen überraschende Perspektivenwechsel waren dabei: Sofia diskutierte an einem Workshop darüber, dass Pornographie nicht gleichbedeutend mit der Ausbeutung von Frauen sei, sondern feministisch gestaltet werden könnte.

Hörsaal besetzen für den Feminismus

Sogar an die Zürcher Uni hat es die Gruppe geschafft. So war Sofia dabei, als eine Gruppe von jungen Frauen einen Hörsaal besetzte: Einige Schülerinnen haben dort übernachtet ­– Ziel war ein intensiver Austausch über Feminismus und verschiedene Geschlechter.

Der Höhepunkt war für sie klar die hauseigenen Vorträge. Die Rechtsanwältin und Dozentin Sandra Hotz referierte beispielsweise im Theatersaal über «Feminismus, Geschlecht und Recht». An einer Schule, an der vor 150 Jahren noch keine Frauen zugelassen waren, wurde angeregt darüber diskutiert, ob die Zuteilung in Geschlecht abgeschafft werden könnte.

Die Schülerinnen haben es geschafft, namhafte Fachleute, vorwiegend Frauen, an verschiedene Kantonsschulen und Gymnasien zu holen. Sofia und Noemi finden die Auseinandersetzung mit den feministischen Themen sehr spannend. «Wir fordern aber nicht jeden Punkt auf dem Manifest für unser Gymi ein.» Die beiden sagen, dass unterstrass.edu schon relativ weit sei und sie eine Offenheit in den feministischen Themen spürten. Noemi wünscht sich, dass die Schulleitung die Geschlechtertrennung im Sportunterricht aufhebt. Beide fordern, dass im Biologieunterricht endlich auch thematisiert wird, dass es viel mehr als nur zwei Geschlechter gibt.

Warum Sartre und nicht Beauvoir?

«Was ich auch überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist, dass in Geschichte und den Sprachfächern praktisch nur Männer durchgenommen werden», erklärt Sofia. «Warum lesen wir Sartre und nicht Simone de Beauvoir? Beide sind bedeutend.» Sie hat sich vorgenommen, die Lehrpersonen darauf anzusprechen und konkrete Wünsche zu formulieren, welche Bücher im Unterricht gelesen werden und welche weiblichen Persönlichkeiten auf der Semesterplanung stehen. Ihre Aktivitäten für den Feminismus sollen am Gymnasium Unterstrass nachwirken und für Veränderung sorgen.