Ein ehemaliger Gefangener erzählt der Klasse 2a, dass er wegen regimekritischen Postkarten inhaftiert worden ist.
Hier lebten Gefangene, die Widerstand geleistet haben.

Dem Widerstand gegen das Regime auf der Spur – Studienreise Dresden

Zürich, 01.11.2019

Die Klasse 2a des Gymnasiums Unterstrass fuhr zusammen mit ihren Lehrerinnen Corinna Bünger und Imke Weber in einer Studienwoche nach Dresden, wo sie sich mit Themen des Widerstandes auseinandersetzte: Wie gingen die Menschen mit dem DDR-Regime um? Wie kann man sich wehren, ohne zu zerbrechen? Der Höhepunkt der Studienreise war der Besuch eines alten Sowjetgefängnisses und ein Ausflug nach Leipzig, wo die Klasse über den Widerstand gegen das Regime informiert wurde, der später zum Fall der Mauer führte.

Es war für alle sehr eindrücklich zu erleben, unter welchen Bedingungen Gefangene im Gefängnis der heutigen Gedenkstätte Bautzener Strasse in Dresden leben mussten.

Im Gebäude, das ursprünglich ein Mietshaus war, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die Sowjetische Besatzungsmacht untergebracht. Im Keller befand sich das Gefängnis, das heute noch besichtigt werden kann. Die Studiengruppe wurde von Jürgen Gottschalk, einem ehemaligen Insassen, durch das Gefängnis geführt. Sein grösstes «Verbrechen» war seine Frechheit: Er hatte es gewagt, Postkarten mit politischem Inhalt zu verschicken und darin die Verhältnisse in der DDR für nicht gut zu befinden. Um ihn zu stellen, wurden 20 informelle Stasi-Mitarbeiter/-innen auf ihn angesetzt.

Die Einschüchterung schlug auf die Psyche

Er schilderte sehr farbig und eindrücklich seine eigene Geschichte und die Geschichte des Gefängnisses. Gottschalk erklärte, wie die Verhörmethoden und die Stasi als Organisation funktionierten und zeigte auf, dass man sich durchaus auch wehren konnte, wenn man genug Rückgrat hatte. Die Einschüchterungsmethoden hätten aber doch ziemlich auf die Psyche geschlagen.

Gottschalk wurde in den frühen 1980er Jahren inhaftiert, konnte schliesslich aber aus der DDR ausreisen und kam nach der Wende trotz allem nach Dresden zurück. Heute ist es ihm ausserordentlich wichtig, dass diese Geschichte nicht vergessen wird und sich die Gesellschaft bewusst macht, wie sich jeder und jede Einzelne auch heute überwachen lässt, sogar freiwillig. Leben wir heute unter Überwachung, die unsere Freiheit einschränken könnte? Hat die DDR-Geschichte auch heute noch Aktualität? Fragen wie diese beschäftigen die Klasse 2a auch noch nach der spannenden Studienwoche in Dresden.