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COMMUNIQUÉ

Zürich Unterstrass, 7. Dezember 2006

“Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse“


Über die Euphorie am Gymnasium Unterstrass während der Schülerschule vom 6.- bis 8. Dezember 2006: Im Gymnasium Unterstrass läuft in diesen Tagen nichts, wie es sich eigentlich für einen normalen Schulbetrieb gehört. Im Lehrerzimmer wird Kaffee getrunken, aber nicht von betagten Lehrern und deren jüngeren Kollegen, sondern von Schülern. Der Gesprächsstoff handelt von Autorität und Spannung während den Lektionen. Mit einer Selbstverständlichkeit wischt ein anderer Schüler den Korridor. Eine seltsame Aufmerksamkeit schwebt wie ein Nebel des Interesses in allen Klassenzimmern. Alles andere als normal. Die Schüler sind die selben, doch für drei Tage wurden Lehrer, Leitung und Personal ersetzt - und zwar von Schülern.

 

Das Gymnasium ist eine Privatschule mit musischem Profil und schweizerisch anerkannter Hausmatur und 137- jähriger Geschichte. Seit den Anfängen werden in der, nahe dem Schaffhauserplatz in Zürich gelegenen Schule, Werte vermittelt, welche jungen Menschen eine Basis für ein engagiertes, spannendes und kreatives Leben ermöglicht.

 

Beispiele für das Vertrauen, welches die Schulleitung ihren SchülerInnen entgegenbringt, sind das obligatorische Skilager, welches jährlich von ViertklässInnen organisiert und durchgeführt wird oder die Schülerschule, welche in diesen Tagen stattfindet. Zum erwachsen Werden, gehört auch die Übernahme von Verantwortung. Dies ist jedoch nur möglich, wenn jungen Menschen Verantwortung übergeben wird, was ein gewisses Vertrauen voraussetzt. Genau dieses Vertrauen, welches die Schüler von der Schulleitung erfahren, spornt sie an, in den drei Tagen ihre Chance wahrzunehmen und ihre Aufgabe so gut zu erfüllen, wie nur möglich.

 

Während nun Direktion, Lehrerschaft, Sekretariat, Küchenteam und Hausdienst im aargauischen Seengen tagt, sorgen Schüler für einen reibungslosen Schulbetrieb- und dies mit sichtlichem Erfolg.

 

Die vorübergehend neuen Fachkräfte wurden vor allem nach dem Kriterium der Sachkompetenz ausgewählt. In den meisten Fällen kommen Dritt- und ViertklässlerInnen zum Einsatz, wobei es vorkommen kann, dass ein Drittklässler eine ganze Klasse ViertklässlerInnen zu unterrichten hat. Vorwissen aus Praktikas und Pädagogik- und Psychologieunterricht sind dabei sicherlich eine grosse Hilfe. Nicht zu unterschätzen ist jedoch die Akzeptanz, welche die Junglehrer von ihren Altersgenossen erfahren. So berichtet zum Beispiel Carlo Della Chiesa aus seinem Französischunterricht, dass der Schwierigkeit zu trotz eine Fremdsprache zu unterrichten, die ganze Klasse eine Aufmerksamkeit und Geduld an den Tag legte, dass während der Lektionen eine Konzentration erreicht wurde, welche selbst bei ausgebildeten FranzösischlehrerInnen nur selten erreicht wird. Genauso wird Maria Gebs in ihrer Aufgabe als stellvertretende Abwärtin ernstgenommen und unter Mithilfe zahlreicher ErstklässlerInnen kann während der drei Tage die nötige Sauberkeit und Ordnung bewahrt werden, die ein Schulhaus benötigt.

 

Anfängliche bedenken, über das Ausmass der Verantwortung, welche auf die Schüler übertragen wurde, bestätigen sich als unbegründet- sogar die Küche erstrahlt am Abend wieder in ihrem alten Glanz, obwohl pünktlich für den Mittag 160 Portionen Tomatenspaghetti zubereitet wurden. Mit Stolz über den eingehaltenen Arbeitsplan und dem eindeutig geniessbaren Endprodukt blickt Olivia Ryser auf den letzten Tag, bei welchem Anfangsschwierigkeiten mit dem überdimensionalen Herd und Steamer, keine Probleme mehr darstellen sollten.

 

Warum ein solch riskantes Projekt wie die Schülerschule funktioniert und weiter sogar auf ein riesiges Engagement von der Schülerseite aus stösst, ist nicht einfach zu erklären. Hört man doch täglich, wie die Jugend zur Rücksichtslosigkeit und Teilnahmslosigkeit verkommen soll. Die Toleranz unter den Schülern kommt vom Respekt gegenüber ihren Kollegen, welche viel Zeit in die Vorbereitung und Einarbeitung in ein Thema investierten, in welchem sie bis anhin noch nie tätig waren - dem Unterrichten. Erfahrungsgeprägte Verbesserungsvorschläge

gegenüber den Lektionen der festangestellten Lehrkräfte werden genauso im Unterricht eingebracht, wie bewährte und geschätzte Methoden. So erteilt Carlo Della Chiesa wie üblich die Aufträge auf französisch, achtet aber gut darauf, dass diese nicht unnötig kompliziert sind, was das Lösen von Aufgaben nur unnötig erschwert.

 

Ob als Sachbearbeiter vor dem Mac, als Direktorin im Chefsessel, als Köchin hinter dem Herd, als Lehrerin vor einer Klasse, oder als Abwart mit dem Besen unterwegs, alle, die sich einer Aufgabe angenommen haben werden nach den drei anstrengenden Tagen Schülerschule mit vielen neuen Erfahrungen und Eindrücken ihre Schlüssel am Freitagabend gerne wieder zurückgeben. Froh damit die Verantwortung der letzten Tage wieder abgeben zu können, aber auch glücklich dem Gelingen reibungslosem Schulbetriebs beigetragen zu haben.

 

Reinigt am Montag wieder der richtige Abwart die Treppe, singt der wahre Musiklehrer durch die Gänge und brutzelt der gelernte Koch in der Küche, so werden diese auf grosses Verständnis stossen. Ihre Arbeit wird wieder mehr geschätzt werden. So kann man sich vielleicht noch besser in die Position der Lehrpersonen hineinversetzten und weiss was alles passieren muss, damit der Schulalltag so verläuft wie er soll.

 

Bleibt nur noch mit dem Gedanke zu spielen, ob nicht auch die Lehrer wieder einmal probeweise die Sitzbank drücken sollten - ob dies auch zu einer Steigerung der gegenseitigen Toleranz führen würde?

 


Für Auskünfte: Jürg Schoch, 043 255 13 13
juerg.schoch(at)unterstrass.edu



 



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